Sitze grad‘ am Stadtgraben von Melle und denke an die Mona Lisa, wie sie sich als Touristin einst bewährte. Also ’ne Geschichte über Leonardo.
Im April 1516 verlässt Leonardo heimlich in Begleitung zweier Freunde Italien und überquert ohne Zwischenfälle die Alpen. Jedenfalls hatten die Leute vom Zoll nichts an seinem Gepäck auszusetzen, schließlich war alles okay, besondere Mitbringsel gab’s nicht.
Er strebte dem Tal der Loire in Frankreich zu, um sein vom erst 21 jährigen Franz I., König von Frankreich, geschenktes Anwesen zu beziehen.
Ab diesem Tag hieß der Wohnsitz „Palazzo de Cloux“ !
Das Multigenie erhielt den Titel : „Oberster Maler und Ingenieur und Architekt des Königs. Staatsmechaniker“. Die Höflinge waren beeindruckt und ahmten sogleich seine Kleidung und sogar seinen Bart nach.
Als die Höflinge ihm beim Auspacken der Klamotten halfen, wunderten sie ich über eingerahmten, colorierten Papierkram. Von so einem berühmten Mann hatten sie etwas anderes erwartet.
Nachdem der Meister sich häuslich eingerichtet hatte, trauten die Untertanen ihren Augen nicht : An den frisch getünchten Wänden hingen drei herrliche Gemälde.
Leonardo hatte also nicht nur visionäre Ideen, nein, er konnte sie auch umsetzen. Was steckte dahinter? Als Leonardo Italien den Hintern zeigte, konnte er sich von drei Werken nicht trennen und er überlegte, wie er diese tarnen könnte. So kam ihm der geniale Einfall, die Ölgemälde mit alten Farbskizzen zu überkleben und transportgerecht in verschlissenem Tuch zu transportieren. Das war auch erforderlich, da alle drei Werke angezahlte Auftragsarbeiten waren.
Auf diese phänomenale Weise reisten „Johannes der Täufer“, die „Hl.Anna Selbdritt“ und „Eine gewisse Florentiner Dame“ in Nacht und Nebel ins Exil.
Als der Kardinal von Aragon Leonardo besuchte, staunte er nicht schlecht:
An der weißen Zimmerwand hing die Mona Lisa.
Tja, deshalb hängte man sie später in den Louvre.
So, dem Stadtgraben von Melle werde ich jetzt den Rücken zeigen.
LG Prenzlmaler.